Siltex: Eine Erfolgsgeschichte made in Julbach

siltex-60-jahreJüngst wurde bei der Firma Siltex in der Julbacher Palmstraße ein großes Jubiläum „klein“ gefeiert. Grund dafür war die Hochwasserkatastrophe in unmittelbarer Nachbarschaft. Auf alle Fälle blickt die Firma für Flecht- und Isoliertechnologie auf 60 ereignisreiche, besonders aber sehr erfolggekrönte Jahre zurück. Zugleich sind die Weichen für Gegenwart und Zukunft mit der fortschreitenden Globalisierung bestens ausgerichtet. Das Unternehmen wurde im Jahr 1956 von Sebastian Reichstaller aus der Wacker-Chemie heraus gegründet. Mit allen Problemen der Nachkriegsjahre behaftet hatte das Vorhaben anfangs mit wenig Ertrag um das Überleben zu kämpfen. Erst mit dem Eintritt von Reichstallers Neffen Walter Holzmüller aus Simbach in die Firma startete eine Erfolgsgeschichte ihren Lauf. Dieser begann, um die Maschinen besser auszulasten und den Umsatz zu steigern, neue Kunden in ganz Europa zu finden. Damals mit den Landesgrenzen und Zollformalitäten eine große Herausforderung, die enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand abnötigte. Im Jahre 1995 übernahm Holzmüller, bis dahin Geschäftsführer, die kompletten Anteile an der Firma. Sebastian Reichstaller zog sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Die Geschäfte liefen gut, bis völlig überraschend Walter Holzmüller im Jahr 2008 verstarb und die Firma Siltex in eine schwierige Phase geriet. Hinzu kam die Weltkrise, die genauso die Julbacher Firma traf. Die Witwe Rosemarie Holzmüller leitete in der Folge geschickt die Übergabe des operativen Geschäftes an die „dritte Generation“ ein. Carsten Kleine übernahm die Geschäftsführung. Nach einer sechsjährigen Neuordnung de Unternehmens, für die einige Investitionen getätigt worden sind, hat man einen neuen Weg eingeschlagen. „Die Globalisierung findet auch in Julbach statt“, merkte Kleine dazu an und umschreibt damit das mittlerweile weltweite Engagement. Kleine weiter: „Kontinuierliche Investitionen und Anpassungen an den sich rasch verändernden weltweiten Markt sind zur Aufgabe und Pflicht geworden.“ Die geplante Jubiläumsfeier fiel buchstäblich ins Wasser. Das hierfür vorgesehene Geld wurde kurzerhand in eine großzügige Spende zugunsten Hochwassergeschädigter in Julbach umgewandelt und Bürgermeister Elmar Buchbauer übergeben. Nichts desto Trotz sollte das Ereignis nicht ganz spurlos vorbeigehen. Mit einem leckeren „Live-Grillen“ wurde in der Firma gefeiert.

Carsten Kleine sagte auch scherzhaft warum: „Es ist zwar kein ganz rundes Jubiläum, aber da voraussichtlich nicht alle von uns das Hundertjährige erleben werden, dachten wir, feiern wir die 60 Jahre sicherheitshalber ein wenig.“ In seiner Rede ging er auf den sozialen und industriellen Wandel in diesem Zeitraum ein.

Eine prägnante Stichpunkte daraus: Für die 1. Generation standen Nachkriegszeit, Briefe handgeschrieben, wenig Autobahnen, geringe Mobilität, wenig Industrieanwendungen für Flechtprodukte und für die Mitarbeiter gab es noch keine Versicherungen, die Entlohnung erfolgt „auf die Hand“, nur wer arbeitet, verdiente etwas. Die 2. Epoche umschrieb Kleine mit: goldenen Zeiten, Wohlstandsphase, elektrische Schreibmaschine, Telefax, erste Computer, beginnende Konkurrenz durch Billiglohnländer; für die Mitarbeiter bedeutete dies, dass mehr und mehr geregelt wurde, Bürokratismus entstand, aber auch soziale Systeme wurden aufgebaut.

Die 3. Und aktuelle Entwicklungsstufe fasste er mit den Schlagwörter zusammen: Globalisierung, world-wide-web, Mobiltelefone, Satelliten, Konzernbildungen und Transparenz; für die Beschäftigten sieht er so gut wie keine Existenzrisiken, die Sozialsysteme funktionierten. Kleines Fazit um die Firma Siltex: 2Eine Sache ist über die Jahrzehnte immer gleich geblieben: Die Flechtmaschine! Sie hat sich über all die Jahre nicht verändert, nur die Anwendungen mit ihr unterliegen ständigen Veränderungen.“ Natürlich sollen auch die Mitarbeiter am Erfolgsmodell – Produkte aus Julbach – teilhaben und können sich über eine Jubiläumsprämie freuen. Bei der Feierstunde wurde Ehrengast Rosemarie Holzmüller als Dank für ihre Verdienste um den Erhalt der Firma nach dem Tod ihres Mannes ein großer Blumenstrauß überreicht. Die an Dienstjahren älteren Mitarbeiter schwelgten in Erinnerungen, währenddessen sich die neueren Mitarbeiter sichtlich beeindruckt von der Firmengeschichte zeigten.

Mit 38 Mitarbeitern werden in Julbach mehr als 18 Millionen Meter Flechtstrukturen jährlich produziert und an 14 verschiedene Industrien in 32 Ländern geliefert. Auf Messen in Augsburg, Düsseldorf, Paris und Tokio werden die Produkte vorgestellt. Siltex-Produkte finden sich heute in Motorsport genauso wie im Weltraum und in Flugzeugen. Aber auch in vielerlei Sportgeräten und medizinischen Anlagen werden Faserverstärkungen aus Flechtstrukturen gebraucht. Flechtstrukturen sind eine besondere Variante der Faserstrukturen zur Verstärkung von Kunststoffteilen.